Walliser Schwarzhaslziege

Die Schwarzhalsziege wird von vielen Züchtern als die Schönste aller Schweizer Ziegen gepriesen. Gelegentlich wird sie auch Sattelziege, Gletschergeiss, Vispertalerziege, Halsene (im Dialekt Ghalsochtu) genannt. Der Schwarzhalsziege mit ihrem langen Haar und den verschieden gedrehten Hörnern haftet etwas Exotisches an, und trotzdem ist sie seit über 1000 Jahren ein Urgestein des Wallis.

Herkunft und Verbreitung
Über die Herkunft der Schwarzhalsziege gibt es zwei Thesen. Nach einer davon soll sie von afrikanischen Völkern übers Rhonetal gebracht worden sein. Andere Quellen behaupten, sie stamme von der italienischen Kupferziege ab. In dem Werk „Die Züchtung und Haltung der Ziege“ von 1946 schreibt A. Schmid: „Ein gewisser abstammungsmässiger Zusammenhang zwischen der Walliser-, Sattel- oder Schwarzhalsziege und der Kupferziege liegt aus geographischen Gründen nahe. Die Walliser Ziege wird als alleinige noch lebende Vertreterin der alten Kupferziege angesehen.“ Vermutlich haben beide Quellen irgendwie Recht, was aber wirklich genau stimmt kann heute wohl niemand mit Sicherheit sagen.

Als Hochburg der Schwarzhalsziegenzucht gelten die Regionen Visp und Brig.In der Region Visp sind die Genossenschaften St.Niklaus, Törbel, Staldenried, Visperterminen und Ausserberg aktiv. In der Region Brig sind es die Genossenschaften Naters, Glis, Mund und Brigerberg. Je eine Genossenschaft ist im Goms, im Lötschental und im Bezirk Leuk tätig.
Die Schwarzhalsziege zählt zu den ältesten Hausziegenrassen, sie wurde bereits 930 n. Chr. erwähnt. Ihre Bestandesentwicklung ist stabil.
Die Schwarzhalsziege ist eine genügsame Zweinutzungsrasse (Fleisch und Milch). Sie wird aber vorwiegend als Mutterziege und zur Fleischnutzung gehalten. Bei einer Tageszunahme von 220 g haben die Gitzi eine gute Mastfähigkeit. Die Schwarzhalsziege ist mit fünf Monaten, geschlechtsreif. Sie wirft 1 bis 2 Junge nach einer Tragezeit von rund 5 Monaten.

Merkmale
Besonders auffallend ist die Farbe: Kopf, Vorhand und der halbe Mittelleib sind brandschwarz. In der Mitte des Körpers beginnt mit einer beinahe geometrischen Trennung die schneeweisse hintere Körperhälfte. Die Farbtrennung wird auch bei den Klauen konsequent durchgezogen. Nicht weniger auffällig sind die langen Haare, deren Pflege sehr zeitintensiv ist. Stunden, ja Tage verbringt mancher Ziegenzüchter, um seine Lieblinge zu waschen und zu kämmen. Dank den langen Haaren sind die Schwarzhalsziegen gut gegen Kälte geschützt. Bei einer Widerristhöhe von 70-80 cm, bei Böcken bis 85 cm, können die Haare 30-50 cm lang werden und mehr. Bilder aus dem beginnenden 20. Jahrhundert zeigen Ziegen mit kürzeren Haaren. Heute reichen die Haare mitunter bis zu den Klauen. Dieses, über viele Jahre angestrebte Zuchtziel trug wesentlich dazu bei, dass Schwarzhalsziegen nicht mehr gemolken werden. Die langen Haare sind beim Melken eher unpraktisch.
Beide Geschlechter sind behornt und tragen schwarze Bärte. Beim Bock vermag das Gehörn besonderes zu imponieren. Die Hörner sind wuchtig, gleichmässig und elegant gewunden. Sie können eine Spannweite von über einem Meter erreichen.

Eigenschaften und Charakter
Die Walliser Schwarzhalsziege ist eine typische Gebirgsziege. Die stolzen Tiere nehmen beim Gehen einen sehr eleganten Gang ein und sind mit ihrem Schritt sehr langatmig. Sie ist eine richtige Gebirgsziege. Es ist erstaunlich welche Strecken und Höhenunterschiede sie an einem Tag zurücklegen kann und wie trittsicher sie selbst in schwierigsten Übergängen ist. Mühelos erklettert sie Felswände um sich auf einen Felsvorsprung die Haare durch den Aufwind durchlüften zu lassen. Ihre Robustheit erlaubt es ihr, mehrere Tage kaum zu trinken und wenig zu fressen.
Die Schwarzhalsziege ist auch bekannt für ihre Eigenwilligkeit. Und sie trägt wie wohl alle gehörnten Tiere Rangkämpfe aus. In jeder Herde gibt es eine „Füorgeiss“ (Führende Ziege) und sie beansprucht für sich immer den besten Platz. Schwarzhalsziegen sind aber auch vorsichtig und ängstlich und springen vor allem Unbekannten davon. Sie fressen gerne die besten Blumen, Zweige und Gräser. Besondere Leckerbissen sind junge Bäume, Tannenschösslinge, was in den Anfangsjahren des OZIV laute Kritik von Förstern einbrachte.

Zuchtziele
Erhalt der besonderen Lokalrasse – die Schwarzhalsziege gehört nach wie vor zu den gefährdeten Rassen, Gute Mastfähigkeit, Langlebigkeit und Fruchtbarkeit, Grosse und robuste Tiere. Die zum Teil erhöhten Inzuchtwerte sind im Auge zu behalten.

Rassestandart Schwarzhalsziege

Haare und Farbe
Kopf und Vorderhand bis halber Mittelleib kohlschwarz. Hinterhand schneeweiss, scharfe Trennung beider Farben. Vordere Klauen schwarz, hintere Klauen weiss pigmentiert. Behornt, ausserhalb des Kantons Wallis werden enthörnte Böcke und Ziegen akzeptiert. Haare lang, tief hängend über die ganze Körperlänge. Starke Behaarung ebenso an Brust, Wangen und Kopf. Keine schwarzen Haare im weissen Teil und ebenso keine weissen im schwarzen Teil. Keine dunklen Pigmentflecke mit schwarzen Haaren. Feine Haut.

Typ-Format:
Körper lang, tief, robust, langes und breites, nicht zu stark abfallendes Becken. Gerader Rücken. Guter Wuchs mit ausgeprägten Geschlechtsmerkmalen. Gut bemuskelte Schultern und Schenkel. Kopf edel nicht zu lang und nicht zu schwer. Gehörnt. Widerristhöhe: 85 cm Bock, 75 cm Ziege. Gewicht: minimal 75 kg Bock, minimal 55 kg Ziege

Gliedmassen, Stellung, Gang
Gliedmassen sehnig und mittelstark, parallel gestellt. Vorne nicht zu eng.
Fesseln kräftig und mässig gewinkelt, mit guter Klauensubstanz. Nicht stuhl- oder säbelbeinig. Klauen hart und geschlossen. Gang lebhaft, parallel, leicht und gerade.

Punkteabzüge bei Rassenunreinheiten
Graue Stichelhaare (je nach Alter). Schwarze Flecken im Hinterteil. Unscharfe Trennung beider Farben. Die letzteren zwei Kriterien werdenbei den Böcken strenger benotet als bei den Ziegen.
Im Wallis erhalten enthornte/hornlose Ziegen und Böcke 5 Punkte Abzug, also die Note 1 (ungenügend). Bestnote ist 6.

Euter:
Da bei der Schwarzhalsziege die Aufzuchtsprüfungsleistung (ALP) durchgeführt wird, gehört die Beschaffenheit des Euters nicht zu den wichtigsten Zuchtzielen.
Bis jetzt noch eher theoretische Vorstellung: Gut aufgehängtes, drüsiges Euter mit gutem Zentralband. Kein Hängeeuter und nicht zu stark gespalten.Die Zitzen müssen einigermassen gut gestellt, nicht zu dick und nicht zu kurz sein. Sie sollen mindestens saugfähig sein.

Interessante Literatur

Die Walliser Schwarzhalsziege: Fleisch-, Milch- und Fellieferantin, «Landschaftsgärtnerin». Gehörnt, trittsicher, robust, wohlgebaut, eigenwillig, wählerisch, vorsichtig. Vor allem aber hat sie eine tausendjährige Tradition… 128 Seiten, ISBN 3-907 624-96-3, Preis SFr. 44.00, 2004 im Rotten Verlag Visp erschienen.

Traditionelle Nutztiere und Kulturpflanzen im Oberwallis: Der Artenreichtum des Wallis Die Publikation bietet eine Übersicht der heute im Wallis noch vorhandenen Landsorten von Pflanzen und der lokalen Tierrassen. 192 Seiten, ISBN 3-907624-19-X, Preis SFr. 35.00, im Rotten Verlag Visp erschienen

http://mengis-visp.ch

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