Ziegen beurteilen will gelernt sein

Jedes Jahr im Februar wird am Landwirtschaftszentrum in Visp ein Kurs für Jungzüchter und interessierte Ziegenzüchter für die Beurteilung von Ziegen durchgeführt. Edwin Eggel, Chefexperte und weitere Experten des OZIV zeigen und erklären, worauf es bei Ziegen ankommt. Zum Kursinhalt gehören der Allgemeine Rassenstandard, der Rassenstandard der Schwarzhalsziegen, das Zuchtziel und der Ablauf einer Beurteilung. Nach dem vierstündigen Kurs können die Teilnehmer den allgemeinen Rassenstandard erklären, das Beurteilungssystem anwenden, ihre Ziegen selber beurteilen.
Die Resultate werden auf der vom Schweizerischen Ziegenzuchtverband erstellten Beurteilungskarte für Bock und Ziege eingetragen. Jede Position wird nach einer bestimmten Skala beurteilt. Die Note 6 bedeutet ausgezeichnet, 5 = sehr gut, 4 = gut, 3 = befriedigend, 2 = genügend, 1 = ungenügend.
Wichtig ist, dass die Beurteilung nach dem aktuell feststellbaren Stand beurteilt wird, nicht nach Mutmassungen über die Entwicklung des Tieres.

Allgemeiner Rassenstandard für alle Rassen
Beurteilt wird nach der Kategorie A (5 bis 12 Monate alt), B (13-24 Monate), C (25-36 Monate), D (über 36 Monate). Bei weiblichen Tieren findet die erste Beurteilung nach dem 1. Wurf statt, bei männlichen Tieren bei der Aufnahme ins Herdebuch. Weitere Beurteilungen finden gemäss Schaureglement statt. Die Mängel im Exterieur sind auf der Rückseite der Beurteilungskarte aufgelistet. Die am Tier festgestellten Fehler sind zu unterstreichen.

Position 1 Rassenmerkmale – Behaarung und Farbe
Dem Rassenstandard entsprechende Behaarung und Farbe
Weiche, elastische Haut mit feiner, dichter Behaarung

Position 2 Typ / Format
Körper lang, tief, robust und gut verbunden, langes und breites, nicht zu stark abfallendes Becken. Guter Wuchs und ausgesprochene Geschlechtsmerkmale. Kopf edel und leicht, gehörnt oder ungehörnt, gut bemuskelte Schultern und Schenkel. Bei der Beurteilung heisst das:
Rahmen und Gewicht
Starke Abweichung bezüglich Wuchs, Gewicht, Geschlechtsausdruck, ungenügend in Tiefen- und Breitenentwicklung.
Kopf
unedel, schwer, lang, Ramskopf, ungleiche Kieferlänge
Hals
Zu fein, schlecht verbunden
Brust, Schulter und Widerrist
Flachrippig, eingeschnürt hinter der Schuler, enge, wenig tiefe Brust, Schuler schlecht anliegend, Widerrist offen
Rücken, Lende
Rücken schmal, Karpfenrücken, Senkrücken, Lende schmal, eingesenkt
Bauch und Flanken
Flanke wenig tief
Becken
Zu kurz, schmal, spitz, abgezogen, abgedacht, überbaut
Bei Burenziegen ist Ramsnase verlangt.

Position 3 – Gliedmassen, Stellung und Gang
Gliedmassen sehnig und mittelstark, parallel gestellt, Gelenke trocken, Fesseln kräftig und mässig gewinkelt, Klauen hart und geschlossen. Gang lebhaft, leicht und gerade. Bei der Beurteilung heisst das:
Gliedmassen
Zu fein, grob, durchgetretene Fesseln, stark gespreizte Klauen
Gelenke
Sprunggelenke gerade
Stellung und Gang
Vordergliedmassen eng, zehenweit, x-beinig, Hintergliedmassen säbelbeinig, gespreizt, kuhhässig, Gang unkorrekt.

Position 4 – Euter
Drüsig, gleichmässig entwickelt, breit aufgehängt, gut ausgebildetes mit der Bauchwand verbundenes Voreuter und Nacheuter, nicht zu hoch gespalten, gutes Zentralband. Bei der Beurteilung heisst das: Gespalten, kugelig, schlecht aufgehängt, wenig Voreuter, ungleiche Euterhälften, Fleischeuter.

Position 5 Zitzen
Gut gestellt, mittlere Dicke und Länge (3 Finger), am Euter richtig angesetzt. Bei der Beurteilung heisst das: Zu kurz, zu lang, zu dick, zu fein, schlechter Zitzenansatz, schlecht gestellt, Zusatzzitzen. Bei den Burenziegen sind Zusatz- und Gabelzitzen toleriert.

Ausschlussgründe
Ungleiche Kieferlänge, wesentliche Rassenunreinheit, eindeutige arthritische und rachitische Deformationen, Einhodigkeit, Kleinhodigkeit, tierärztlich festgestellte Mängel (z.B. Samenstauung usw.). Note 1 in einer Position

Allgemeine Zuchtziele für alle Rassen
1. Gesundheit, Widerstandskraft, Anpassungsvermögen
Gesund, lebhaft, konstitutionell kräftig, frei von Erbfehlern, widerstandsfähig gegen Krankheit und Klimaeinflüsse, anpassungsfähig an die verschiedenen Futter- und Halteverhältnisse.
2. Frühreife, Wüchsigkeit
Rasche Körperentwicklung, Zuchtreife bei Böcken mit 5 bis 6 Monaten, bei Ziegen mit 6 bis 8 Monaten.
3. Fruchtbarkeit und Langlebigkeit
Normale Fruchtbarkeit bei Böcken und bei den Ziegen jährlich eine Geburt mit durchschnittlich 1,5 bis 2 normalgeschlechtlichen Gitzi, gute Muttereigenschaften, langlebig
4. Gute Rauhfutterverwertung: Hohes Leistungsvermögen
a) Milchleistung:
Während mehreren Jahren eine gute, der Rasse und den Haltebedingungen angepasste Milchmenge mit hohem Fett- und Eiweissgehalt.
b) Fleischleistung
Voll ausgebildete Fleischpartien von guter Qualität.

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